Erbschein beantragen: Ablauf, Kosten & wann er wirklich nötig ist
Ein Erbschein ist eine offizielle Urkunde, mit der Sie Ihr Erbrecht nachweisen können. Er wird vom Nachlassgericht ausgestellt und ist in vielen Fällen notwendig – etwa bei Banken, Behörden oder beim Grundbuchamt.
In diesem Artikel erfahren Sie, wann ein Erbschein erforderlich ist, wie Sie ihn beantragen und welche Kosten entstehen.
👉 Grundlagen zum Testament: Berliner Testament Vorlage
Was ist ein Erbschein?
Der Erbschein ist eine amtliche Bescheinigung, die bestätigt, wer Erbe geworden ist und in welcher Höhe.
Die gesetzliche Grundlage findet sich in § 2353 BGB.
Mit dem Erbschein können Sie:
- über Bankkonten verfügen
- Immobilien im Grundbuch umschreiben lassen
- Versicherungen und Behörden gegenüber Ihre Erbenstellung nachweisen
👉 Ohne Erbschein ist der Zugriff auf viele Vermögenswerte oft nicht möglich.
Wann braucht man einen Erbschein?
Ein Erbschein wird vor allem dann benötigt, wenn die Erbfolge nicht eindeutig nachgewiesen werden kann.
Typische Fälle:
- kein Testament vorhanden (gesetzliche Erbfolge)
- unklare oder strittige Erbverhältnisse
- Banken verlangen einen Nachweis
- Immobilien gehören zum Nachlass
Wichtig: Liegt ein notarielles Testament vor, ist ein Erbschein häufig nicht erforderlich.
Wann ist kein Erbschein nötig?
In vielen Fällen kann auf einen Erbschein verzichtet werden:
- notarielles Testament + Eröffnungsprotokoll liegt vor
- Kontovollmacht über den Tod hinaus vorhanden
- Bank akzeptiert andere Nachweise
👉 Das spart Zeit und Kosten.
Wie beantragt man einen Erbschein?
Der Antrag erfolgt beim zuständigen Nachlassgericht oder über einen Notar.
Der Ablauf:
- Antrag stellen (Gericht oder Notar)
- Unterlagen einreichen
- eidesstattliche Versicherung abgeben
- Prüfung durch das Gericht
- Erbschein wird ausgestellt
👉 Die Bearbeitung kann je nach Fall mehrere Wochen dauern.
Welche Unterlagen werden benötigt?
Die benötigten Unterlagen hängen davon ab, ob Sie gesetzlicher Erbe sind oder im Testament eingesetzt wurden.
Gesetzliche Erben:
- Personalausweis
- Sterbeurkunde
- Familienurkunden (Geburt, Heirat)
- Angaben zu weiteren Erben
Erben laut Testament:
- Testament oder Erbvertrag
- Sterbeurkunde
- Angaben zu möglichen Streitigkeiten
👉 Je vollständiger die Unterlagen, desto schneller die Bearbeitung.
Welche Arten von Erbscheinen gibt es?
- Alleinerbschein: für eine einzelne Person
- Gemeinschaftlicher Erbschein: für mehrere Erben
- Teilerbschein: nur für einen Anteil
- Gruppenerbschein: mehrere Erben zusammengefasst
👉 Die Wahl hängt von der Erbkonstellation ab.
Was kostet ein Erbschein?
Die Kosten richten sich nach dem Wert des Nachlasses (GNotKG).
Beispiel:
- Nachlasswert 100.000 € → ca. 273 € Gebühren
- Nachlasswert 250.000 € → ca. 535 € Gebühren
Wichtig: Die Gebühren fallen bereits mit Antragstellung an – auch wenn der Antrag später zurückgezogen wird.
👉 Mehr Infos: Kosten Testament
Praxisbeispiel: Erbschein im Alltag
Ein Ehepaar besitzt ein Haus. Nach dem Tod eines Partners möchte der überlebende Ehegatte das Haus verkaufen.
- Das Grundbuchamt verlangt einen Erbschein
- Ohne Erbschein ist keine Umschreibung möglich
👉 Ergebnis: Der Erbschein ist zwingend erforderlich.
Typische Fehler beim Erbschein
- zu späte Beantragung
- unvollständige Unterlagen
- unnötige Beantragung trotz Testament
👉 Diese Fehler kosten Zeit und Geld.
FAQ zum Erbschein
Wie lange dauert ein Erbschein?
Je nach Komplexität dauert die Ausstellung zwischen wenigen Wochen und mehreren Monaten.
Kann man einen Erbschein online beantragen?
Nein, der Antrag muss persönlich beim Nachlassgericht oder Notar erfolgen.
Ist ein Erbschein immer notwendig?
Nein, bei einem notariellen Testament ist er oft nicht erforderlich.
Wer bezahlt den Erbschein?
Die Kosten trägt in der Regel der Antragsteller bzw. die Erbengemeinschaft.
Kann ein Erbschein falsch sein?
Ja, wenn falsche Angaben gemacht wurden. In diesem Fall kann er eingezogen werden.
Externe Informationen
Fazit
Der Erbschein ist ein wichtiges Dokument im Erbfall, aber nicht immer notwendig. Wer gut vorbereitet ist und die richtige Strategie wählt, kann Zeit und Kosten sparen.
👉 Besonders wichtig ist eine klare Nachlassplanung – z. B. durch ein Berliner Testament.